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Alles beginnt im Kopf, oder mein Weg zum Marathon
Es begann im Jahr 2000 unterm Weihnachtsbaum. Da lag ein Büchlein von Dr. Med. Struntz mit dem Titel „Forever Young – Das Leicht-Lauf-Programm“. Ich wusste nicht so recht, was ich damit anfangen sollte, also habe ich es sehr aufmerksam gelesen und schon nach einigen Seiten bemerkt, was mir das Christkind damit sagen möchte. In der Folge waren die Aussagen über den Laufreflex, den inneren Schweinehund und die richtige Ernährung gedanklich immer gegenwärtig und ich hatte mir bereits ein Konzept festgelegt, wie ich einsteigen könnte, erzählte öfters von meinen Ideen, diskutierte mit meinen Freunden darüber und beim Heringsschmaus am 28.2.2001 (so ein Datum vergisst man nie) war es dann soweit. Mein Freund Hannes fragte mich (ungefähr nach dem 3. Teller), ob ich eigentlich nur vom Laufen sprechen würde, oder ob ich es selbst schon ausprobiert hätte. Nun, dass muss man sich - auch mit 50-ig - noch nicht sagen lassen!
Ich laufe seit dem 3.3.2001 täglich und es war am Anfang nicht wirklich leicht. 6 Wochen später konnte ich nicht mehr aufhören. 30 Minuten täglich am Stück. Ich glaube, jetzt hab´ ich ihn – den Laufreflex. In den folgenden Wochen und Monaten erstellte ich mir meine persönliche Bewegungstabelle, erweiterte das Bewegungsangebot sinnvoll mit Mountainbiken und Walken, tankte Kondition, vergrößerte die Trainingseinheiten, fühlte mich wohl, installierte kleine Fettverbrennungsmaschinen in meinem Körper und reduzierte mein Körpergewicht von 82 kg auf 74 kg, ganz ungewollt und ohne Diät - nur mit bewusster Ernährung – bis zum Waschbrettbauch. Ich kann dir “praktisch” in allen Fragen helfen, ich lebe den ROXY-Way zur Fitness und Gesundheit. Täglich.
Am 19.10.2001 endete meine “unheimliche“ Laufserie (inzwischen waren es 8 Monate täglich) durch einen unfreiwilligen freien Fall von einer Leiter. 2 Tage später wurde „es“ bei einer Untersuchung zur Gewissheit. Das linke Sprunggelenk im Knöchel war gebrochen, gekippt und eine Operation unausweichlich, d.h. 6-8 Wochen Gips (soweit die 1.Diagnose) – und was kommt dann? Vom Muskelaufbau sind 70% zu vergessen, die gezerrten Bänder und Verstauchungen werden noch monatelang eine freie Bewegung behindern, die kalte Jahreszeit verzögert eine Reaktivierung und vielleicht geht mit Laufen gar nichts mehr. Na Super. Jetzt war nochmals ein besonderer Motivationsschub notwendig. Am 25.10.2001 wurde ich im SMZ-Ost operiert, wobei Professor Fasol keine Bänder- uns Sehnenrisse feststellte, er gurtete den abgebrochenen Knochen mittels 2 Stahlstiften und einer Drahtschlinge wieder an und verzichtete in Absprache mit mir auf einen Liege- und anschließenden Gehgips. Gerne nahm ich es auf mich, das linke Bein 6 Wochen lang nicht zu belasten und mit Krücken gehen. Dafür konnte ich sofort nach der Nahtentfernung (am 5.11.2001) mit Dehnungsübungen und leichtem Muskeltraining beginnen und somit die Gesamtzeit bis zur vollen Belastbarkeit erheblich verkürzen. Am 5.12.2001 war es dann soweit, die Belastungsfreigabe erfolgte laut Plan, nur das mit dem Gehen wollte nicht so recht hinhauen. Ich nahm zwar die Krücken in die Hand und setzte einen Fuß vor den anderen, doch diese Art der Fortbewegung konnte man bestenfalls „hatschen“ nennen. Nun werden die Karten nochmals neu gemischt, oder mein mühsamer Weg zurück beginnt. Ich starte wieder bei der Stunde null (oder bei noch weniger) und bringe nur meinen Willen (das positive Denken) ein. Der gemeinsame „Wohlfühlweg“ zurück in die Gesundheit beginnt am 15.12.2001 bei einer Adventwanderung mit 150 Minuten Gehzeit, ist aber nicht schmerzfrei ausgefallen. Es folgt jeden 2. Tag eine Bewegungstherapie bei meiner persönlichen Therapeutin Elisabeth, ich gehe viel Schwimmen (30 Minuten am Stück), lerne Walking light kennen und lagere dazwischen immer wieder das Bein hoch, um auf den „glühenden“ Knöchel Eis aufzulegen. Nach genau 74 Tagen war es dann soweit, ich wagte meinen ersten Lauf und schaffte in 35 Minuten am Stück die Hackenbergstrecke – und „er“ bewegt sich doch.
In einer 2. Operation müssen am 18.10.2002 alle Metallteile entfernt werden, wobei die erste Halbmarathondistanz und eine schwierige Wanderung über den Karnischen Höhenweg bereits dazwischen lagen. Die Schwellungen und Behinderungen sind rasch überwunden, mit Power Walken und Nordic Walken werden neue Trends ins Ausdauertraining aufgenommen und es stehen neue Herausforderungen an. Die Teilnahmen an offiziellen Laufveranstaltungen sind eine logische Folge. Grundsätzlich wollte ich nur wissen, wo man nach ca. 1000 Tagen Ausdauertraining tatsächlich steht, dass da nebenbei eine Zeit mitläuft, war eigentlich sekundär. Aber ich war angenehm überrascht, beim 10. Gutensteiner Panoramalauf (7.6.2003) – gleich der erste Lauf war ein Berglauf – funktionierte die Laufmaschine perfekt und die erste 10-km Zeit lag unter einer Stunde, in Zahlen ausgedrückt waren es 59:07 und Rang 12 in der Gruppe M50. Kurz danach erfolgte ein weiterer Test, beim 1. Laurent-Lauf in Tattendorf (9.6.2003) reduzierte ich meine Laufzeit auf 53:44, was den 13. Rang in der Gruppe M50 bedeutete. Und es war mir klar, ich will weitermachen. Ich will euch damit aufzeigen, dass man alles erreichen kann, wenn nur der “richtige” Schalter im Kopf umgelegt wird, oder wie es mein “Guru” Edi aus dem Waldviertel mit der “Bereitschaft zur Veränderung” beschreibt.
Der Weg mit dem “Real Time Champion Chip” ist vorgezeichnet. Größere Strecken sind eine echte Herausforderung und dabei ist es unumgänglich die Details zum “richtigen” Laufen zu beachten, sich bewußt auf einen Lauf vor zu bereiten. Ich gehe nach dem Büchlein “Fit for Run” vor, in dem genaue Trainingspläne für Einsteiger und Profis beschrieben sind. Für die Pulsmessung, inklusive einer Kilometermessung und Geschwindigkeitsberechnung verwende ich die TIMEXbodylink Ironman (Heart Rate Monitor & Speed + Distance System). Ein erfolgreicher Test dieses Konzeptes war der Wachau-Halbmarathon am 19.9.2004. Ich habe mich 21 Tage genau auf dieses Ereignis vorbereitet und sollte eine Wettkampfzeit von 1:52:00 erzielen. Mein Ziel war es, eine Zeit unter 2 Stunden zu erreichen. Herausgekommen ist meine persönliche Bestzeit von 1:55:32, in der Gruppe M50 bedeutet dies den 125. Rang (bei einem Starterfeld von 7000 internationalen Läufern ist dies ein toller Erfolg, auf den ich stolz bin, wobei ich noch einen zusätzlichen Stopp einlegte, da mich mein Freund Pomassl mit einem Achterl Riesling vom Urgestein kurz nach Kilometer 10 verwöhnte). Mein nächstes grosse Ziel ist die Teilnahme am Wien-Marathon am 22.5.2005 (spätestens mit 55-ig muss es sein). Laufen ist eine Sache - Marathon ist eine Lebensveränderung!
Meine Devise lautet: Täglich beweglich (eine Trainingseinheit pro Tag - wo ein Wille ist, ist auch ein Weg). Leider muss ich an dieser Stelle anmerken, dass mich 4 meiner besten Freunde und Weggefährten nicht mehr auf diesem “Trip” begleiten können. Am 26.12.2004 erteilte mir die Naturkatastrophe im Indischen Ozean mit der Zerstörung von Khao Lak eine erschütternde Lektion. Sie hat mir die Freude und das Leuchten aus meinen Augen genommen. Die Frage nach dem Warum wird mich wohl ein Leben lang beschäftigen. Durch die “ROXY-Bewegungstherapie”, die von mir entwickelt wurde und nach der ich seit dem 3.3.2001 lebe, konnte ich viel Schmerz und Seelenleid “abarbeiten” und meinem Leben einen neuen Mittelpunkt geben. Neben den positiven Einflüssen auf Gesundheit, Wohlfühlen und allgemeine Fitness, möchte ich also ganz besonders die zusätzlichen Möglichkeiten zum Stressabbau und zur Persönlichkeitsfindung beim Leichtlaufen hervorheben. Ganz wichtig und wesentlich erscheint mir die persönliche Festlegung von “neuen” Lebensprioritäten, die Neuordung von Zielen und Wünschen. Für meinen Freundeskreis und alle, die mich auf diesem Weg begleiten wollen, werde ich ab sofort im Leitfaden für die Freizeit (was ist los) alle “Power- und Lauf-Treffs” eintragen, die später meine Bewegungstabelle für einen Monat ergeben. Ich würde jedenfalls empfehlen, dass du dir möglichst sofort deine persönliche Bewegungstabelle anlegst, um daraus jederzeit deinen aktuellen Fitnesszustand ablesen zu können. Dies gilt generell für alle Personen, auch wenn nur fallweise Wandern oder Radfahren am Programm steht (achte auf die erforderlichen Zeiten lt. Bewegungsarten, sei ehrlich zu dir selbst).
Geschafft! Wien, am 22.5.2005, ich bin meinen ersten Marathon - 42,195 km - durchgelaufen! Nicht die Zeit (5:02:00) war wichtig, sondern der Wille (und das körperliche Durchhaltevermögen), um am Heldenplatz im Ziel einzulaufen und die Freude über eine Platzierung an 184. Stelle in der Altersklasse M55. Eine ordentliche Vorbereitung (3 Monate intensiv) war jedenfalls unumgänglich und so konnte man gleich nach der Übergabe der Medaille zur Marathonfeier beim Heurigen in Hagenbrunn übergehen, die schon lange vorher geplant war und bei der ich aufmerksam meine Einzelkilometerzeiten studierte. Überhaupt gestaltete sich das Jahr 2005 für mich als ein fuliminantes Laufjahr. Mit einem Pacemaker erreichte ich beim Wachauhalbmarathon eine Nettozeit von 1:48:52 (eine persönliche Bestzeit) und in der Altersklasse M55 den 41-igsten Rang. Und weil ich so gut drauf war, startete ich zum Abschluß der Saison noch beim Piestingtalllauf (ebenfalls ein Halbmarathon mit kuppieter Strecke). Im Alleingang schaffte ich 1:48:17 und den sensationellen 18. Rang in der Altersklasse M50 (da waren doch schon etliche Läufer jünger als ich). Ich sehe darin eine Bestätigung meiner Vision, dass man alles erreichen kann, wenn man es nur will. Warum soll es bei dir nicht klappen? Und diese Erkenntnis gilt für viele Lebensprobleme.
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